Samichlauslegende

 

Die Legende von Sankt Nikolaus 

Geschichte von Verena Morgenthaler (leicht vereinfacht) 

 

Am 6. Dezember zieht St. Nikolaus oder wie wir sagen Samichlaus mit seinem Esel und 

seinem Knecht durch die Dörfer. Wisst Ihr, weshalb? 

Vor langer Zeit lebte weit weg in der Stadt Patara ein Junge, der hiess Nikolaus. Ihm waren 

an einer bösen Krankheit Vater und Mutter gestorben. Da war er sehr traurig und allein. 

Seine Eltern waren sehr reich. Sie hatten Gold, Silber und Edelsteine; schöne Häuser und 

Paläste. Das alles gehörte nun Nikolaus. In seinem Stall standen schneeweisse Pferde, 

Schafe, ein Esel und viele andere Tiere. Doch Nikolaus war so traurig, dass er sich über all 

das nicht freuen konnte. Auch seine Diener konnten ihn mit nichts zum Lachen bringen. 

So ging er, müde vom Weinen, ins Bett. Da stiess er mit dem Fuss an den Tonkrug, worin 

aufgerollt die Geschichten der Bibel aufbewahrt  waren. Er nahm eine Geschichte heraus 

und begann zu lesen. Es war als sitze seine Mutter wie früher an seinem Bett und lese vor: 

Es war einmal ein reicher Mann mit schönen Kleidern. Der hatte von allem so viel wie er 

wollte. Es war aber auch ein ganz Armer der lag vor seiner Tür und bat um etwas hartes 

Brot. Doch der Reiche gab ihm keines. Ein paar Jahre später starb der Arme. Da wurde er 

von Engeln in den Himmel getragen. Auch der Reiche starb. Doch es kamen keine Engel um 

ihn zu holen. 

„Bin ich nicht wie der reiche Mann?“ dachte Nikolaus. Auch ich bin schön angezogen und 

habe von allem genug. Die Bettler draussen vor der Stadt habe ich aber vergessen. Morgen 

will ich früh aufstehen und sie besuchen. Mit diesen Gedanken schlief er ruhig und ohne 

Tränen ein. 

Früh am Morgen stand er auf und schlich sich aus dem Palast heraus. Er hatte etwas Angst, 

denn es war noch dunkel. Endlich war er beim Stadttor. Gleich daneben lagen und sassen 

die armen und kranken Leute. Als sie den hübsch angezogenen Jungen sahen, streckten sie 

ihm ihre Hände entgegen. Nikolaus wollte in die Taschen greifen, doch an seinem Kleid gab 

es keine. So zog er rasch seinen Schmuck aus und gab ihn den Armen. Auch seine schönen 

Kleider und seine silbernen Sandalen verschenkte er. Da staunten die Bettler und freuten 

sich. Nikolaus aber machte einen Luftsprung und rannte glücklich nach Hause. Endlich 

konnte er sich wieder freuen. 

Nikolaus liess sich noch am gleichen Tag einen Mantel nähen mit sehr grossen Taschen. 

Vergnügt schlüpfte er hinein und ging in den Garten. Dort schüttelte er Nüsse von den 

Bäumen, pflückte Äpfel und Mandarinen und füllte damit seine neuen Taschen. Zum zweiten 

Mal an diesem Tag schlich er sich aus dem Palast und ging zu den Armen. Die Kinder 

spielten noch in den Strassen. Er ging zu ihnen, griff in seine vollen Taschen und warf die 

Früchte und Nüsse unter die Kinder. Die stürzten sich voller Freude auf die feinen Sachen. 

Nikolaus aber ging rasch nach Hause zurück und schlief müde und glücklich ein. Jetzt war er 

nicht mehr so traurig. 

Wenn Nikolaus wieder traurig wurde, füllte er seine Taschen, bepackte seinen Esel und zog 

zum Stadttor. Er half den Kranken, gab den Hungrigen zu essen und beschenkte die Kinder. 

Froh kehrte er dann nach Hause zurück.   

Mit 12 Jahren kam Nikolaus weit weg in eine Schule, wo er viel über Gott und Jesus lernte. 

Aber immer half er und gab Geschenke, wenn er arme oder kranke Menschen traf. Später 

als Nikolaus erwachsen war, hörte er in der Kirche die Worte Jesus: 

„Willst Du zu mir gehören, so verschenke alles was Du hast, und gib es den Armen.“ 

Nikolaus musste viel über diese Worte nachdenken. Schliesslich verschenkte er alles was er 

hatte an die Armen und ging weg. Er hatte jetzt oft Hunger und es ging ihm nicht gut. 

Trotzdem zog er durchs Land und erzählte allen von Gott. Vor allem den Kindern erzählte er 

viele Geschichten der Bibel. 

Nach vielen Jahren hatte Nikolaus einen Traum. Er sah einen Engel, der zu ihm sagte:„Geh 

nach Hause!“ 

In Myra, nicht weit von seinem Zuhause war zu dieser Zeit der alte Bischof gestorben. Die 

Menschen waren traurig und niemand wusste wer der nächste Bischof werden sollte. Gott 

aber sprach zu ihnen, und sagte: „Geht alle in der Nacht in die Kirche. Der erste Mensch, der 

in die Kirche kommt, soll Bischof werden.“ 

Gott schaute, dass Nikolaus auf seiner Heimreise als erster in die Kirche trat, und so wurde 

er Bischof von Myra. Nikolaus schaute gut zu seinen Leuten. Er beschützte sie vor den 

bösen Soldaten und gab ihnen einen starken Glauben. Einmal in einer Hungersnot, 

verschaffte er ihnen sogar zu essen. Wenn Nikolaus durch die Strassen zog, kamen die 

Kinder und jubelten ihm zu. An seinen Geburtstagen zog er seinen roten Bischofsmantel an, 

nahm den goldenen Hirtenstab in die Hand, schmückte seinen Esel und lud ihm einen 

schweren Sack auf den Rücken. Der war gefüllt mit feinen Sachen: rote Äpfel, Nüsse, 

Mandeln, Mandarinen und Lebkuchen. Nikolaus ging durch die Strassen und warf alles unter 

die Leute. Es wurde jedes Jahr ein grosses Fest. 

Bischof Nikolaus starb am 6. Dezember 352. Zu seinem Andenken feiern wir heute noch den 

Samichlaustag. 

 

 

HGU Geschichtenordner 2006 / bin